Stabilo
Stabilo Power Filzstifte
Der Klassiker im Kinderzimmer, und der Grund ist eine Kleinigkeit: Die Spitze lässt sich nicht hineindrücken. Wer schon einmal einen Filzstift wegen einer versenkten Spitze weggeworfen hat, weiß, warum das zählt.
Am 11. November, nicht am 6. Dezember
In evangelischen Gemeinden Frankens kommt am 11. November nicht der Nikolaus, sondern der Pelzmärtel. Das hat einen Grund, der bis in die Reformation zurückreicht.
Der Pelzmärtel kommt am 11. November - nicht der Nikolaus. In evangelischen Gemeinden Frankens ist das seit der Reformationszeit so. Er bringt Nüsse, Obst und Lebkuchen, kennt die Taten der Kinder und hat eine Geschichte, die bis ins frühe Mittelalter zurückreicht. Wer sich fragt, ob der Pelzmärtel auch 2026 kommt: Ja, am Mittwoch, den 11. November 2026.

Der Pelzmärtel kommt jedes Jahr am 11. November. So auch im Jahr 2026, wo der 11. November auf Mittwoch fällt.
Das ist der Martinstag; der Gedenktag des Heiligen Martin von Tours.
Der Termin ist fest und er ändert sich nie. Im Unterschied zum Nikolaustag am 6. Dezember liegt der Pelzmärtel-Besuch damit früher in der dunklen Jahreszeit. Ein Termin, der die Vorweihnachtszeit für Kinder in Franken schon im November einläutet.
Die naheliegende Deutung ist falsch. Der „Pelz" im Pelzmärtel hat nichts mit Fell zu tun. Er kommt vom westmitteldeutschen Wort pelzen, und das heißt schlicht: prügeln. „Märtel" oder „Märdl" ist die fränkische Verkleinerungsform von Martin.
Der Name sagt also, was die Figur ursprünglich war: der Martin, der schlägt. Das passt zu allen Nikolausbegleitern - die Rute war nie Dekoration.
Regional heißt er auch Pelzemärtel, Pelzermärtel, Pelzamärdl, Belzermärdl, Bulzermärtl, Belzemärdl oder Pelzmartin. In manchen Gegenden hat sich daraus Pelznickel entwickelt, dann allerdings meist mit dem Nikolaustermin im Dezember statt dem Martinstag im November.
Die Antwort liegt in der Reformation. Martin Luther lehnte die Heiligenverehrung ab und verbannte den Heiligen Nikolaus aus den Adventsbräuchen seiner Anhänger. Laut der Volkskundlerin Erika Kohler ersetzte Luther seit etwa 1531 den Nikolaus durch das Christkind als Gabenbringer.
Evangelische Pfarrer predigten aktiv dagegen. Martin Bohemus schrieb 1608: "daß etliche Eltern den Kindern etwas auf das Bett legen und sagen: Sankt Nikolaus hat es beschert, welches ein böser Brauch ist." Nikolaus-Bescherungen wurden in protestantischen Städten teils sogar verboten.
Jetzt kam ein fränkisches Problem: Welcher Brauch ersetzt den Nikolaus für die Kinder? Das Christkind bescherte zu Weihnachten - aber was war mit November? Hier kam der Martinstag ins Spiel. Martin war nicht irgendein Heiliger: Er war im frühen Frankenreich der meistverehrte Heilige überhaupt. Und Martin war auch der Namenspatron von Martin Luther selbst. Aus diesem Grund blieb der 11. November als Festtag erhalten - nur mit einer neuen Figur, die keine Heiligenverehrung verkörperte: dem Pelzmärtel.
Das Fränkische Freilandmuseum Bad Windsheim beschreibt ihn als Ersatzgestalt, der die Aufgaben des Examinierens und Belohnens oder Bestrafens der Kinder übernahm ohne als heilige Figur zu gelten.
Zwei Einschränkungen gehören dazu, weil sie in den meisten Darstellungen fehlen. Erstens: Diese Erklärung ist die gängige und wird von Museen getragen, aber eine volkskundliche Primärstudie mit Quellenapparat gibt es dazu nicht. Sie ist plausibel und gut belegt, sie ist kein bewiesener Vorgang.
Zweitens ist die Bindung an die Konfession nicht so streng, wie es klingt. Der Brauch ist vor allem in den protestantisch geprägten Teilen Frankens zu Hause - in den katholischen Orten der Region wurden Nikolaus und St. Martin durchgehend weitergefeiert. Der Pelzmärtel ist damit eher ein regionales als ein rein konfessionelles Phänomen.

Martin von Tours wurde um 316/317 im heutigen Ungarn geboren, als Sohn eines römischen Offiziers. Mit 15 Jahren musste er in den Militärdienst. Als junger Soldat in Amiens teilte er bei eisiger Kälte seinen Mantel mit einem frierenden Bettler - die bekannteste Geschichte aus seinem Leben.
Er starb am 8. November 397 auf einer Seelsorgsreise in Candes. Am 11. November 397 wurde sein Leichnam feierlich nach Tours überführt und beigesetzt. Daraus wurde sein Gedenktag: der 11. November.
Im Frankenreich unter König Chlodwig (481-511) stieg Martin zum beliebtesten Heiligen überhaupt auf - einer Art Nationalheiligen. Fränkische Könige ließen Martins Mantel in Schlachten mitführen. Der Begriff "Kapelle" leitet sich sogar vom lateinischen "cappa" (Mantel) ab - also von jenem geteilten Mantel des Martin.
Dieser historische Hintergrund erklärt, warum ausgerechnet der 11. November in Franken so tief verwurzelt ist - und warum der Brauch auch nach der Reformation nicht verschwand.
Der Name setzt sich aus zwei Teilen zusammen:
Märtel ist die fränkische Verkleinerungsform von "Martin". Im Nürnberger Dialekt gibt es dafür weitere Varianten: "Belzermärdl", "Bulzer" oder "Bulzamärdl". In schriftlicher Form tauchen auch "Pelzemärtel", "Pelzermärtel", "Pelzamärdl" und "Pelzmartin" auf.
Pelz kommt vom westmitteldeutschen Verb "pelzen" - das bedeutete "prügeln". Der Name trägt also die ursprüngliche Strenge noch in sich: Der Pelzmärtel war der Prügler-Martin. Wer sich das vor Augen hält, versteht, warum Kinder früher echte Angst vor ihm hatten.
In Unterfranken und der Pfalz findet sich eine weitere Namensvariante: der Pelznickel (auch Belznickel oder Belzenickel). "Nickel" ist die Verkleinerungsform von Nikolaus - hier fließen also Martin- und Nikolaus-Brauchtum im Namen zusammen, was zeigt, wie eng beide Figuren historisch verwoben sind.

Das hängt von der Region ab. Es gibt keine einheitliche Optik - das ist ein Merkmal dieses Brauchs.
In den meisten fränkischen Gemeinden erscheint der Pelzmärtel heute in rotweiß-em Gewand, ähnlich wie andernorts der Nikolaus oder der Weihnachtsmann. Dazu kommen Sack, Rute und oft ein Zettel mit den Taten der Kinder.
In manchen Dörfern ist die Erscheinung bedrohlicher: Maske, dunkle Kleidung, manchmal ein Kostüm aus Stroh oder Fell. Das Fränkische Freilandmuseum beschreibt, dass in einigen Orten Frankens Jugendliche in Pelzmärtel-Verkleidung auftraten und sich wilde Verfolgungsjagden lieferten, wobei das Furchterregende in diesem Fall deutlich überwog.
In Bad Herrenalb im Schwarzwald trägt der dortige Pelzmärtel (dort Belzmärte genannt) sogar ein Kostüm aus 150 Metern Kordel aus Roggenstroh - handgefertigt, jedes Jahr neu. Ein Aufwand, der zeigt, wie ernst der Brauch in manchen Gemeinden genommen wird.
Der Pelzmärtel weiß, was die Kinder das ganze Jahr über getan haben. Das ist kein Zufall - sondern Vorbereitung. Die Eltern kontaktieren ihn vorher und erzählen ihm, was gut und was weniger gut lief. Beim Besuch spricht er die Kinder direkt darauf an.
Er hat einen Zettel dabei, auf dem die Taten stehen - gute und schlechte. Brave Kinder werden gelobt und bekommen Geschenke. Weniger brave Kinder werden ermahnt. Körperliche Strafe ist heute nicht mehr Teil des Brauchs.
Der Pelzmärtel bleibt dabei freundlich und ermutigend. Er ist kein Schreckensfigur (mehr), sondern ein Erzieher ohne Strafe. Das unterscheidet ihn von früheren Darstellungen, in denen das Furchterregende bewusst eingesetzt wurde, um Kinder zu disziplinieren.

Traditionell bringt der Pelzmärtel:
Das alte Gedicht aus festgestaltung.de fasst es so zusammen:
Ich bring euch für den Winter hier Äpfel und Birnen und Mandelkern, Lebkuchen und Nüsse und Zuckerstern.
Die Rute ist immer noch dabei, aber nur als Symbol. Sie hat keine praktische Funktion mehr.
Was Eltern zusätzlich vorbereiten können:
Es ist völlig üblich, dass Eltern neben den Pelzmärtel-Gaben noch etwas dazulegen. Bewährt haben sich:
Das Päckchen muss nicht groß sein. Der Pelzmärtel-Besuch lebt vom Erlebnis - nicht vom Wert der Geschenke.
Der Pelzmärtel ist kein rein fränkisches Phänomen. Verwandte Figuren tauchen in mehreren Regionen auf:
| Region | Name | Besonderheit |
|---|---|---|
| Franken (evangelisch) | Pelzmärtel / Belzermärdl | Kommt am 11. November, allein, als Gabenbringer |
| Schwaben | Belzmärte / Belzmärtel | Begleiter des Nikolaus (6. Dezember) oder des Christkinds |
| Bad Herrenalb (Schwarzwald) | Belzmärte | Zieht am Heiligabend von Haus zu Haus; Kostüm aus 150 m Roggenstroh |
| Unterfranken / Pfalz | Pelznickel / Belznickel | Kombiniert Martin- und Nikolaus-Brauchtum im Namen |
| Norddeutschland | Knecht Ruprecht | Begleiter des Nikolaus |
| Österreich | Krampus | Begleiter des Nikolaus, deutlich bedrohlichere Darstellung |
| Pennsylvania (USA) | Belsnickel / Belsnickle | Durch pfälzische Auswanderer eingeführt |
| Brasilien (Santa Catarina) | Pelznickel | Durch deutsche Einwanderer; erscheint an Nikolaus und Heiligabend |
Die amerikanische Variante ist besonders interessant: Pfälzische Auswanderer brachten den Belsnickel nach Pennsylvania. Die Wikipedia-Quelle zur Figur des Weihnachtsmanns hält fest, dass der pfälzisch-pennsylvanische Belznickel als Vorläufer des amerikanischen Weihnachtsmanns gilt. Der fränkische Pelzmärtel und der amerikanische Santa Claus sind also entfernte Verwandte.
In Brasilien lebt der Brauch ebenfalls fort. In den Städten des Vale do Itajaí in Santa Catarina erscheint der Pelznickel zweimal im Jahr. Die Kinder schenken ihm Nuckel und Nuckelflaschen.
Alle drei Figuren haben eine ähnliche Funktion: Sie kommen in der Vorweihnachtszeit zu Kindern, kennen ihre Taten und bringen Gaben oder Ruten. Trotzdem unterscheiden sie sich deutlich:
| Merkmal | Pelzmärtel | Nikolaus | Knecht Ruprecht |
|---|---|---|---|
| Termin | 11. November | 6. Dezember | 6. Dezember (mit Nikolaus) |
| Region | Franken (evangelisch) | Deutschlandweit (v.a. katholisch) | Norddeutschland |
| Tritt auf | Allein | Allein oder mit Begleiter | Als Begleiter des Nikolaus |
| Konfessioneller Hintergrund | Evangelisch | Katholisch / überkonfessionell | Evangelisch / norddeutsch |
| Historischer Bezug | Martin von Tours | Nikolaus von Myra | Germanische Wintergeister |
| Heutige Darstellung | Meist freundlich, rotweiß | Bischofstracht | Dunkel, rauer |
Der entscheidende Unterschied zwischen Pelzmärtel und Nikolaus ist also nicht nur der Termin - sondern die Konfession. In evangelischen Gemeinden Frankens hat der Nikolaus als Heiligenfigur keine Tradition. Deshalb ist der Pelzmärtel dort bis heute die dominante Figur der frühen Vorweihnachtszeit.
Der Brauch ist lebendig - aber regional begrenzt. Vor allem im Großraum Nürnberg, in Mittel- und Oberfranken sowie in Teilen Unterfrankens gehört der Pelzmärtel für Familien mit Kindern selbstverständlich dazu.
Heimatvereine, Schulen und Kirchengemeinden kümmern sich aktiv um die Weitergabe. Schulprojekte, kleine Theaterstücke zu Martinstag und Dorfveranstaltungen halten den Brauch im Bewusstsein. Der private Besuch in der eigenen Wohnung (organisiert von den Eltern) ist dabei nach wie vor die häufigste Form.
Was den Brauch besonders macht: Er lässt sich nicht kaufen. Man kann keinen Pelzmärtel aus dem Internet bestellen, der dann vorbeikommt. Es braucht jemanden der die Rolle übernimmt, Eltern die vorher berichten, und Kinder die glauben. Das ist gleichzeitig seine Stärke und der Grund, warum er so eng mit Franken verbunden bleibt.
Außerhalb der fränkischen Kernregion kennen ihn die meisten nicht. Das macht ihn zu einem der wenigen wirklich regionalen Bräuche in Deutschland - nicht verallgemeinert, nicht kommerzialisiert, nicht überregional aufgeblasen.
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