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Weihnachtsbaum & Christbaum Bäume, die jedes Jahr wiederkommen

Von Sankt Georgen bis Bondi Beach

Weihnachtsbräuche

Am 24. Dezember liegt in Franken der Pelzmärtel schon sechs Wochen zurück, in Russland liegt Weihnachten noch zwei Wochen voraus, und in Sydney steht ein Barbecue am Strand an. Dasselbe Fest, sehr verschiedene Abende.

Weihnachten in Deutschland

An Weihnachten wird die Geburt Jesu Christi gefeiert. Der Festtag dafür ist der Christtag, der 25. Dezember, kirchlich das Hochfest der Geburt des Herrn. Die Feierlichkeiten beginnen schon am Abend davor, am 24. Dezember, dem Heiligen Abend.

Der 25. Dezember ist in Deutschland und zahlreichen anderen Ländern ein gesetzlicher Feiertag, dazu kommt der 26. Dezember als zweiter Weihnachtsfeiertag, kirchlich der Stephanstag. Die Weihnachtszeit endet je nach Konfession am 6. Januar, dem Epiphaniasfest, oder am Sonntag danach, dem Fest der Taufe des Herrn.

Weil in Deutschland viele keiner Kirche angehören und trotzdem im Kreis der Familie feiern, ist für die meisten der 24. Dezember der wichtigste Tag. Dann werden die Geschenke verteilt, und für die Jüngsten erfüllt der Weihnachtsmann den einen oder anderen Herzenswunsch unter dem Baum. Neben dem Weihnachtsbaum stehen Krippen, Fensterlichter, Weihnachtspyramiden, Räuchermännchen und Tannengrün, dazu Lichterketten an Sträuchern, Bäumen und Überdachungen.

Essen und Trinken

Glühwein und Punsch für die Großen, alkoholfreier Apfelglühwein für die Kleinen und alle, die keinen Alkohol mögen. Plätzchen, Stollen, Marzipan, Schokoladenweihnachtsmänner und Pralinen. Und an den Feiertagen deftige Braten: Gans, Ente, Wild, Fisch.

336 nach Christus

Das erste bezeugte Weihnachtsfest, überliefert in einem Chronographen von 354.

Wie das Weihnachtsfest entstand

Das Fest ist deutlich jünger als sein Anlass: Erst mehr als 300 Jahre nach Jesu Geburt entstand es. Eine mögliche Erklärung ist, dass in der frühen Zeit des Christentums Geburtstage nicht gefeiert wurden, weil sie als Beginn des sündigen Erdenlebens galten.

Der römische Kalligraf Furius Dionysius Filocalus hielt in einem Chronographen aus dem Jahr 354 fest, dass im Jahr 336 erstmals ein Weihnachtsfest begangen wurde. Das ist der früheste schriftliche Beleg, den wir haben.

Oh Tannenbaum

In nahezu allen mitteleuropäischen Ländern wird der Tannenbaum in der Kirche, auf öffentlichen Plätzen und in Privaträumen aufgestellt und mit Kerzen oder Lichterketten, farbigen Glaskugeln, Lametta, Engelshaar, Sternen, Herzen oder Engelsfiguren geschmückt.

Der häusliche Baum kommt in der Regel am oder kurz vor dem 24. Dezember ins Zimmer und bleibt bis zum 6. Januar, dem Dreikönigstag, oft auch ein paar Tage länger. Auf öffentlichen Plätzen und Weihnachtsmärkten steht ein hoher, weithin sichtbarer Baum dagegen oft schon Ende November.

Drei, die man außerhalb der Region kaum kennt

Regionale Bräuche

Schwarzwald: das Frauentragen

Im Schwarzwälder Ort Sankt Georgen tragen Kinder an allen neun Abenden vor der Christnacht ein Marienbild von Haus zu Haus. Der Brauch ist einige Jahrhunderte alt und soll Fruchtbarkeit erflehen. Er endet am 24. Dezember, wenn das Bild pünktlich vor der Christmette zur Kirche getragen wird.

Berchtesgadener Land: das Christkindlschießen

In der letzten Woche vor Weihnachten schießen die Weihnachtsschützen im Berchtesgadener Land Tag für Tag um 15 Uhr von ihren Standplätzen. Am Heiligen Abend endet der Brauch, kurz vor Beginn der Christmette.

Franken: der Pelzmärtel

In Franken kommt am 11. November nicht der Nikolaus, sondern der Pelzmärtel, und er bringt Nüsse, Obst und Lebkuchen. Das ist kein Zufall, sondern eine Folge der Reformation, und die Geschichte dahinter reicht bis ins 4. Jahrhundert zurück.

Vier Nachbarn, vier andere Abende

Weihnachten in Europa

Dänemark

Am Heiligen Abend, dänisch Juleaften, wird das Wohnzimmer zur festlichen Julestue geschmückt. Die traditionelle Mahlzeit kommt schon am späten Nachmittag auf den Tisch: je nach Region Ente, Gans oder Schweinebraten mit Rotkohl und Zuckerkartoffeln, dazu eine Weihnachtsgrütze mit Mandeln.

Danach stellen meist die Kinder eine Schüssel Grütze für die Nisser auf den Dachboden oder vor die Tür - Wichtel, die dem Weihnachtsmann zur Hand gehen. Ist das getan, singt die Familie Weihnachtslieder und tanzt Hand in Hand um den Baum, das juletræ, geschmückt mit julehjerter, geflochtenen Herzen, und kræmmerhuse, kleinen Papiertüten. Erst dann gibt es die Geschenke.

Dänische Julestue mit geflochtenen Julehjerter am Weihnachtsbaum
Julehjerter und Kræmmerhuse am dänischen juletræ

Großbritannien und Irland

Der Heilige Abend, Christmas Eve, steht ganz im Zeichen von Father Christmas, der die Geschenke direkt unter den Baum liefert. Am ersten Weihnachtsfeiertag kommen Familie und Freunde zum gemeinsamen Mahl zusammen und sehen danach die Weihnachtsansprache des Königs. Der 26. Dezember heißt im Vereinigten Königreich Boxing Day und in Irland St. Stephen’s Day, und auch dann wird weitergefeiert.

Luxemburg

Am Vorabend des 6. Dezember kommen die Schuhe vor die Tür. In der Nacht füllen Kleeschen, der Nikolaus, und sein Gehilfe Houseker sie mit Äpfeln, Mandarinen, Orangen und Süßigkeiten. Am Heiligen Abend liegen die Geschenke unter dem Baum, geöffnet werden dürfen sie erst nach der Mitternachtsmesse. Danach trifft sich die Familie zum Essen, traditionell mit Blutwurst, Stampfkartoffeln und Apfelsoße.

Russland

Weihnachten wird erst am 7. Januar gefeiert, nach dem julianischen Kalender. Am Heiligen Abend nimmt die ganze Familie das Heilige Mahl aus zwölf Speisen ein, eine für jeden Apostel. Die Geschenke kommen davon unabhängig: Väterchen Frost bringt sie mit seiner Enkelin Snegurotschka schon am Neujahrstag, auf einem Schlitten, den drei Pferde ziehen.

Wo das Fest ganz anders aussieht

Bräuche weltweit

Vereinigte Staaten

Weihnachten, dort auch X-mas genannt, ist bei Christen wie Nichtchristen ein wichtiger Anlass zu feiern. Wochen vorher werden Geschenke besorgt und Weihnachtskarten an Freunde und Verwandte nah und fern verschickt. Am Heiligen Abend wird der Baum mit elektrischen Lichterketten geschmückt und die geschnitzte Krippe aufgestellt. Der Mistelzweig, unter dem der glücksbringende Kuss nicht fehlen darf, hängt an der Eingangstür oder im Wohnzimmer. Dann ist alles bereit für Santa Claus, der die Geschenke bekanntlich durch den Kamin bringt.

Äthiopien und Ägypten

Für die orthodoxen Christen beider Länder beginnt Weihnachten mit einer Mitternachtsmesse in der Nacht zum 7. Januar. In Äthiopien kommen danach Injera, die landestypischen Brotfladen, zu Gerichten aus Kalb, Lamm, Rind und Geflügel auf den Tisch. Die koptischen Ägypter feiern gleich nach der Messe bei einem opulenten Bankett, versüßt durch Kahk, mit Kreuzen verzierte Zuckerkekse.

Australien und Neuseeland

Hier fällt Weihnachten mitten in den Sommer, denn auf der Südhalbkugel ist der Dezember Hochsommer. Gefeiert wird trotzdem weitgehend britisch: Der pelztragende Weihnachtsmann mit Schlitten - gelegentlich von Kängurus gezogen - und idyllische Schneeszenen behaupten sich auch bei dreißig Grad auf Karten und Dekoration.

Die Kinder finden ihre Geschenke unter dem Baum und Süßigkeiten auf dem Kaminsims. In Sydney feiern derweil internationale Gäste am Bondi Beach bei einem Truthahn-Barbecue und sehen Santa auf dem Surfbrett zu, während im Stadtinneren die Christmas Parade zieht. Am Tag darauf gibt es nach dem Truthahn und dem Plumpudding meist ein Picknick oder Barbecue am Strand.

Weihnachten am Strand in Australien mit sommerlicher Dekoration
Weihnachten im Hochsommer, australische Fassung

Japan

1549 feierten Jesuiten in Japan erstmals Weihnachten mit Einheimischen. Offiziell abhalten konnten die christlichen Kirchen ihr Fest aber erst Jahrhunderte später, nach Einführung der Religionsfreiheit.

Ein gesetzlicher Feiertag ist Weihnachten in Japan bis heute nicht, an diesem Tag wird in der Regel gearbeitet. Verbreitet ist das Fest trotzdem: Familien und Freunde kommen zusammen, tauschen Geschenke aus und essen die weiße Weihnachtstorte, meist reich mit Erdbeeren belegt. Der Brauch begann in den großen Städten und hat sich über die Jahre bis in die kleinste Region ausgebreitet.

25 Zacken

17 viereckige und 8 dreieckige. Die Form geht auf einen Rhombenkuboktaeder zurück.

Der Herrnhuter Stern kam aus dem Matheunterricht

Er hängt in halb Deutschland in den Fenstern, und fast niemand weiß, woher er kommt: aus der Herrnhuter Brüdergemeine in der Oberlausitz, gegründet am 17. Juni 1722 von Glaubensflüchtlingen aus Böhmen und Mähren.

Entstanden ist der Stern Anfang des 19. Jahrhunderts, und zwar nicht als Weihnachtsschmuck. Mehrere Quellen berichten übereinstimmend, dass ihn ein Erzieher im Geometrieunterricht des Internats entwickelte - als Anschauungsmodell, damit die Schüler räumliches Denken lernen. Die geometrische Grundlage ist ein Rhombenkuboktaeder.

Das früheste konkrete Datum ist 1821: Zum fünfzigsten Jahrestag der Unitäts-Knabenanstalt soll im Hof ein beleuchteter Stern mit 110 Zacken geschwebt haben. Aufgehängt wurde er nicht im Advent, sondern zum Dreikönigsfest Anfang Januar. Wer genau ihn erfunden hat und wann, lässt sich nach Auskunft der Deutschen Stiftung Denkmalschutz nicht mehr zweifelsfrei rekonstruieren.

Vom Bastelmodell zur Serie

Zum Produkt wurde er durch den Buchhändler Pieter Hendrik Verbeek, der um 1897 den ersten stabilen, zusammensetzbaren Stern konstruierte - damit ließ er sich zerlegt versenden. Verbeek bot ihn in zwei Größen an, 56 und 80 Zentimeter, mit fünf Zackenfarben. 1925 meldete er den ersten „körperlosen" Stern zum Patent an: 17 viereckige und 8 dreieckige Zacken, und genau so wird er bis heute gebaut.

Die Geschichte danach verläuft nicht gerade. Ende 1940 verbot das Dritte Reich die Herstellung, 1945 lag die Produktion still. 1950 wurde der Betrieb verstaatlicht und firmierte als VEB Oberlausitzer Stern- und Lampenschirmfabrik; die Sterne gingen überwiegend als Devisenware in den Westen, DDR-Bürger bekamen nur den Überschuss. 1967/68 gab die DDR den Betrieb an die Brüder-Unität zurück - für DDR-Verhältnisse ungewöhnlich, aber handgefertigte Sterne passten schlecht zur sozialistischen Industrieproduktion.

Wenn der Vorgarten zur Bühne wird

Die großen Lichtshows

Vor allem in den USA, zunehmend aber auch an vielen Orten in Deutschland, werden Häuser und Vorgärten zu aufwendigen Lichtshows umgebaut, oft auf Musik synchronisiert. Zwei sehenswerte Beispiele:

Ein einzelnes Wohnhaus in Kalifornien, auf Musik synchronisiert. Video direkt bei YouTube ansehen
Weihnachtsstädte von Rothenburg bis Quebec. Video direkt bei YouTube ansehen

Und der Baum?

Egal in welchem Land: Irgendwo muss er stehen.

Zu den Bäumen

Zuletzt geprüft am . Verantwortlich: Daniel Weihmann, Impressum.