Die Idee ist gut, die Aussichten sind es selten
Der Weihnachtsbaum im Topf
Einen Baum kaufen, schmücken und danach in den Garten pflanzen: Das klingt nach der vernünftigsten Lösung von allen. Fachlich ist sie die riskanteste - und bei der Nordmanntanne raten Landwirtschaftskammern ausdrücklich davon ab.
Was niemand weiß
Eine belastbare Anwachsquote für Topfbäume gibt es nicht. Wer eine Prozentzahl nennt, hat sie nicht aus einer Untersuchung.
Es gibt keine Zahl
Wir haben nach einer Überlebens- oder Anwachsrate gesucht: nach Untersuchungen von Baumschulverbänden, Landwirtschaftskammern, Hochschulen oder Umweltverbänden. Es gibt keine. Kein öffentlich zugängliches deutsches Ergebnis nennt eine übertragbare Prozentzahl.
Das ist auch nachvollziehbar. Eine sinnvolle Quote müsste mindestens trennen nach Baumart, echter Containerware gegenüber frisch ausgestochener Ballenware, Alter und Verhältnis von Krone zu Wurzelraum, Zahl der bisherigen Verpflanzungen, Dauer und Temperatur im Wohnzimmer, Frost nach dem Pflanzen, Boden, Wasserversorgung und Beobachtungszeitraum. Ohne diese Angaben ist jede Prozentzahl geraten.
Der klare Rat
Bei der Nordmanntanne: lieber nicht
Ausgerechnet die Art, die vier von fünf Käufern nehmen, ist für diesen Weg die schlechteste. Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen rät bei Nordmanntannen ausdrücklich vom späteren Auspflanzen ab: Die Pfahlwurzel wird bei der Ballenentnahme so stark geschädigt, dass keine Anwachsgarantie möglich ist.1
Eine Pfahlwurzel wächst senkrecht nach unten. Wer sie kappt, nimmt dem Baum genau das Organ, mit dem er sich verankert und tiefes Wasser erschließt. Anders als bei flachwurzelnden Arten wächst sie nicht gleichwertig nach.

Wenn es trotzdem sein soll
Was die Chancen erhöht
Es spricht nichts dagegen, es zu versuchen - nur sollte man wissen, dass es ein Versuch ist. Was in den Fachquellen übereinstimmend als hilfreich genannt wird:
- Klein kaufen. Je kleiner der Baum, desto günstiger das Verhältnis von Krone zu Wurzelraum.
- Echte Containeranzucht statt kurz vor dem Verkauf ausgestochener Ballenware. Nachfragen und den Ballen ansehen.
- Eine andere Art wählen. Fichte, Kiefer oder Douglasie sind weniger auf eine Pfahlwurzel angewiesen als die Nordmanntanne.
- Kurz drinnen lassen. Je kürzer die warme Phase, desto besser. Wenige Tage sind besser als drei Wochen.
- Hell und heizungsfern stellen, regelmäßig gießen, aber nicht stauen.
- In Stufen gewöhnen, hinein wie hinaus. Nicht direkt vom warmen Wohnzimmer in den Frost.
- Nicht in gefrorenen Boden pflanzen. Wenn der Boden zu ist, bleibt der Baum geschützt im Topf, bis es taut.
Zwei ehrlichere Wege
Was stattdessen funktioniert
Ein Baum, der im Topf bleibt. Wer ihn gar nicht auspflanzt, sondern dauerhaft im Kübel auf Balkon oder Terrasse hält und jedes Jahr für ein paar Tage hereinholt, umgeht das Wurzelproblem vollständig. Der Kübel muss dann groß genug sein und im Winter Frostschutz bekommen - Wurzeln im Topf frieren schneller als im Boden.
Oder gleich ein künstlicher Baum. Der Vergleich fällt anders aus, als man denkt: Der ökologische Kipppunkt liegt bei zehn bis zwanzig Jahren Nutzung, und genau daran scheitern billige Kunstbäume, die im Schnitt nach sechs Jahren ersetzt werden. Ein Baum, der zwanzig Jahre hält, ist die bessere Rechnung - die drei Studien dazu stehen auf der Kunstbaumseite.
Was nach den Feiertagen mit einem geschlagenen Baum passiert, ist eine eigene Frage. Kompostierung, Hackschnitzel, Biomasseheizwerk, Zoofutter - der Überblick steht auf der Hauptseite.
Woher die Angaben stammen
Quellen
- Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zum Weihnachtsbaum im Topf und zur Pfahlwurzel der Nordmanntanne
- NABU: Weihnachtsbäume aus Ökoanbau oder heimischen Wäldern
- Verband Wohneigentum: Weihnachtsbaum im Topf, Beratungspraxis
- Vollständige Auswertung mit allen geprüften Quellen: Rechercheauftrag 16 im Projektarchiv
Zuletzt geprüft am . Verantwortlich: Daniel Weihmann, Impressum.