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Weihnachtsbaum & Christbaum Bäume, die jedes Jahr wiederkommen

Rund 16.000 Hektar, 3.020 Betriebe

Der echte Weihnachtsbaum

Vier von fünf Bäumen sind Nordmanntannen, rund neun von zehn kommen aus deutschem Anbau. Was ein Baum kostet, wie lange er hält und was nach den Feiertagen mit ihm passiert - mit Quellen, und mit den Lücken, wo es keine gibt.

Fünf Seiten

Wo es weitergeht

  • Die Nordmanntanne

    Warum sie zwölf bis vierzehn Jahre braucht, woher ihr Saatgut kommt und was die amtliche Statistik über den Nachschub sagt.

  • Die Baumarten

    Nordmanntanne, Blaufichte, Rotfichte, Nobilistanne - und warum die Haltbarkeit weniger an der Art hängt als gedacht.

  • Frisch halten

    Zwei Liter die Woche, nicht am Tag. Der Anschnitt, der Ständer, und was von Zucker und Frischhaltemitteln zu halten ist.

  • Selbst schlagen

    Wo es erlaubt ist, wo es Diebstahl ist, und was man mitnimmt.

  • Der Baum im Topf

    Die Idee ist gut, die Aussichten sind es selten. Und bei der Nordmanntanne raten die Kammern ausdrücklich ab.

Die erste Frage

Der ökologische Kipppunkt liegt bei zehn bis zwanzig Jahren. Kunstbäume werden im Schnitt nach sechs ersetzt.

Echt oder künstlich

Wir verkaufen auf dieser Seite künstliche Bäume. Trotzdem ist die ehrliche Antwort keine pauschale. Drei Ökobilanzen - ellipsos 2009, der Carbon Trust und ESU-services - kommen auf einen Kipppunkt zwischen zehn und zwanzig Jahren Nutzungsdauer. Erst ab dann schneidet ein Kunstbaum besser ab als ein jährlich neu gekaufter echter. Das Umweltbundesamt gibt bewusst keine pauschale Empfehlung.

Daraus folgt kein Verzicht, sondern ein Kaufargument: Der billige Kunstbaum, der nach fünf Jahren ersetzt wird, ist auch ökologisch die schlechtere Wahl. Ausführlich steht das auf der Kunstbaumseite.

Für den echten Baum gilt die Gegenrechnung genauso wenig pauschal. Ein von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördertes Projekt zur Biodiversität von Weihnachtsbaumkulturen zeigt: Gegenüber intensiv genutztem Ackerland können strukturreiche, extensiv bewirtschaftete Kulturen für bestimmte Artengruppen und Agrarvögel wertvoll sein, und ökologisch bewirtschaftete Flächen wiesen eine höhere Pflanzenvielfalt auf als konventionelle. Ein naturnaher Wald werden sie damit nicht.1

Was in Stichproben gefunden wurde

Pflanzenschutzmittel

Der BUND lässt seit 2014 in unregelmäßigen Abständen Nadelproben untersuchen. Die Ergebnisse werden viel zitiert und selten eingeordnet, deshalb hier beides:

Weihnachtsbaumtests des BUND. Es handelt sich um kleine, nicht zufallsbasierte Einkaufsstichproben, nicht um eine amtliche Marktüberwachung.
JahrProben mit Rückständen Wirkstoffe
201717139
202023149
2023191415

Welche Mittel zugelassen sind, ändert sich laufend. Verbindlich ist immer die aktuelle Datenbank des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, mit dem konkreten Mittel, der Kultur und den Auflagen. Eine Wirkstoffliste auf einer Ratgeberseite wäre in der nächsten Saison falsch.

Was drauf steht und was drin ist

Siegel und Herkunft

Zuerst der wichtigste Satz: Für Weihnachtsbäume gibt es keine gesetzliche Herkunftskennzeichnung. Ein Baum ist kein Lebensmittel. Eine Pflicht, Herkunftsland, Bundesland, Betrieb oder Fälldatum auszuweisen, existiert nicht. „Regional" oder „vom Förster" ist deshalb genau so viel wert wie der Nachweis, den der Verkäufer auf Nachfrage liefert.

Was die gebräuchlichen Zeichen prüfen - und was sie ausdrücklich nicht aussagen.
ZeichenGeprüft wird Sagt nichts aus über
EU-Bio-Logo Anbau nach EU-Öko-Recht, ohne synthetische Pestizide und Mineraldünger; mindestens jährliche Kontrolle Herkunft, Transportweg, Frische, Baumart
Bioland, Naturland, Demeter EU-Öko-Recht plus die jeweiligen Verbandsrichtlinien regionale Herkunft, Fälldatum
FSC verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung; seit 1. November 2024 mit ergänzenden Indikatoren für Weihnachtsbäume Bio-Qualität, Pestizidfreiheit, Region
PEFC nachhaltige Waldbewirtschaftung; eigener Standard für Weihnachtsbaumkulturen auf Waldflächen, jährlich kontrolliert Bio-Qualität, Pestizidfreiheit, Region
Regionalzeichen je nach Programm sehr unterschiedlich; kein bundesweit einheitliches Zeichen ohne benanntes Programm: praktisch alles

Der Unterschied ist dramatisch

Wie gefährlich ein trockener Baum ist

Zu Weihnachtsbränden kursieren viele Zahlen. Belastbar ist eine: Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft registrierte für 2024 in den Wochen um Weihnachten rund 6.000 zusätzliche Feuerschäden mit einem Schadenaufwand von etwa 31 Millionen Euro, im Schnitt 4.900 Euro je Fall.2

Das sind aber keine Weihnachtsbaumbrände. Die Zahl umfasst alle Feuerschäden der Advents- und Weihnachtszeit, fehlgeleitete Silvesterraketen eingeschlossen. Eine bundesweite Statistik allein für Weihnachtsbäume oder getrennt nach Adventskränzen gibt es nicht.

Was es gibt, ist ein Brandversuch, und der ist eindeutig. Beim US-Normeninstitut NIST wurde ein gut gewässerter Baum dreimal erfolglos angezündet. Der trockene Baum daneben zündete beim ersten Versuch, erreichte nach 31 Sekunden eine Wärmefreisetzung von 7.362 Kilowatt und verlor binnen 40 Sekunden den Großteil seiner Nadeln.3

Zu Lichterketten am Baum steht die Prüfzeichenfrage auf einer eigenen Seite: CE ist kein Prüfsiegel, sondern die Selbsterklärung des Herstellers. VDE und GS beruhen auf unabhängiger Prüfung.

Vorsicht mit dieser Zahl

Der oft zitierte Sporenanstieg auf 5.000 je Kubikmeter stammt aus einer einzigen Wohnung.

Weihnachtsbaum und Allergie

Das „Weihnachtsbaum-Syndrom" ist keine Diagnose, sondern eine Sammelbezeichnung für Beschwerden, die zeitlich mit dem Baum auftreten: Niesen, laufende Nase, gereizte Augen, Husten, Hautreaktionen. Als Ursachen kommen Schimmelsporen, anhaftende Pollen, Staub, Milben, Baumharz oder Duftstoffe infrage - abschließend geklärt ist es nicht.

Die Studienlage ist dünner, als die Verbreitung des Themas vermuten lässt. Eine kanadische Untersuchung von 1970 mit 1.657 Allergiepatienten und zehn Wohnungen fand bei 7 Prozent Beschwerden bei Koniferenkontakt, aber keine signifikante Veränderung der luftgetragenen Pilze durch den Baum. Eine US-Arbeit von 2011 fand an Schnittproben von 28 Bäumen 53 Schimmelpilzarten, von denen sie 70 Prozent als potenziell allergen einschätzte.

Und die Umkehrung stimmt auch nicht: Künstliche Bäume sind nicht automatisch allergiefrei. Sie bringen kein frisches organisches Material ins Haus, sammeln aber bei der Lagerung Staub, Hausstaubmilben und gegebenenfalls Schimmel. Vor dem Aufstellen draußen auspacken und absaugen.

Hund und Katze

Nadeln, Harz und das Wasser im Ständer

„Tannennadeln sind giftig für Katzen" liest man oft, und so undifferenziert stimmt es nicht. Die belegten Risiken sind vor allem mechanisch und im Magen-Darm-Bereich: Nadeln sind schwer verdaulich, reizen Maul und Magen und können in größerer Menge zu einem Darmverschluss beitragen. Ätherische Öle und Harz können zusätzlich Speicheln, Übelkeit oder Durchfall auslösen. Deutlich besser belegt ist die Giftigkeit konzentrierter Kiefern- und Pinienöle, besonders für Katzen - das ist etwas anderes als die kleine Menge an einer einzelnen Nadel.

Beim Standwasser ist die Antwort einfacher: nicht trinken lassen. Schon unbehandeltes, abgestandenes Wasser kann Bakterien oder Schimmel enthalten, dazu kommen Harz, Öle und Düngerreste aus der Rinde.

Nach den Feiertagen

Wohin der Baum danach kommt

Erfasst werden die Bäume über kommunale Sonderabholungen, Sammelstellen, Wertstoffhöfe und örtliche Vereinsaktionen. Voraussetzung ist fast überall dasselbe: vollständig abschmücken. Lametta, Kugeln, Lichterketten und Kunstschnee müssen herunter, sonst ist der Baum für die Verwertung unbrauchbar.

Die tatsächlichen Wege sind Zerkleinerung und Kompostierung, Verarbeitung zu Hackschnitzeln für Biomasse- und Heizkraftwerke, und örtlich Sondernutzungen wie Faschinen im Uferbau oder Futter für Zoos und Wildgehege.

Wann die Abholung in einem bestimmten Ort stattfindet und was dort in welche Tonne gehört, ist eine kommunale Frage. Wir bauen das nicht nach - sulixo.de ist genau dafür da und führt die Entsorgungswege nach Gegenstand und Landkreis.

Zuletzt geprüft am . Verantwortlich: Daniel Weihmann, Impressum.