Rund 16.000 Hektar, 3.020 Betriebe
Der echte Weihnachtsbaum
Vier von fünf Bäumen sind Nordmanntannen, rund neun von zehn kommen aus deutschem Anbau.1 Was ein Baum kostet, wie lange er hält und was nach den Feiertagen mit ihm passiert - mit Quellen, und mit den Lücken, wo es keine gibt.
Fünf Seiten
Wo es weitergeht
Der Markt ist enger, als die Auswahl auf dem Verkaufsplatz vermuten lässt. Vier von fünf verkauften Bäumen sind Nordmanntannen, und mit der Blaufichte zusammen decken zwei Arten über neun Zehntel ab.12
- NordmanntanneAbies nordmanniana rund 75 bis 80 Prozent
- BlaufichtePicea pungens rund 15 Prozent
- NobilistanneAbies procera rund 3 Prozent
- ÜbrigeRotfichte, Kiefer, Douglasie der Rest
Die Angaben stammen von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft. Sie schwanken je nach Quelle und Jahr zwischen 75 und 80 Prozent für die Nordmanntanne; eine amtliche Absatzstatistik nach Baumart gibt es nicht.
-
Die Nordmanntanne
Warum sie zwölf bis vierzehn Jahre braucht, woher ihr Saatgut kommt und was die amtliche Statistik über den Nachschub sagt.
-
Die Baumarten
Nordmanntanne, Blaufichte, Rotfichte, Nobilistanne - und warum die Haltbarkeit weniger an der Art hängt als gedacht.
-
Frisch halten
Zwei Liter die Woche, nicht am Tag. Der Anschnitt, der Ständer, und was von Zucker und Frischhaltemitteln zu halten ist.
-
Selbst schlagen
Wo es erlaubt ist, wo es Diebstahl ist, und was man mitnimmt.
-
Der Baum im Topf
Die Idee ist gut, die Aussichten sind es selten. Und bei der Nordmanntanne raten die Kammern ausdrücklich ab.
Die erste Frage
Der ökologische Kipppunkt liegt bei zehn bis zwanzig Jahren. Kunstbäume werden im Schnitt nach sechs ersetzt.
Echt oder künstlich
Wir verkaufen auf dieser Seite künstliche Bäume. Trotzdem ist die ehrliche Antwort keine pauschale. Drei Ökobilanzen - ellipsos 20093, der Carbon Trust4 und ESU-services5 - kommen auf einen Kipppunkt zwischen zehn und zwanzig Jahren Nutzungsdauer. Erst ab dann schneidet ein Kunstbaum besser ab als ein jährlich neu gekaufter echter. Das Umweltbundesamt gibt bewusst keine pauschale Empfehlung.6
Daraus folgt kein Verzicht, sondern ein Kaufargument: Der billige Kunstbaum, der nach fünf Jahren ersetzt wird, ist auch ökologisch die schlechtere Wahl. Ausführlich steht das auf der Kunstbaumseite.
Für den echten Baum gilt die Gegenrechnung genauso wenig pauschal. Ein von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördertes Projekt zur Biodiversität von Weihnachtsbaumkulturen zeigt: Gegenüber intensiv genutztem Ackerland können strukturreiche, extensiv bewirtschaftete Kulturen für bestimmte Artengruppen und Agrarvögel wertvoll sein, und ökologisch bewirtschaftete Flächen wiesen eine höhere Pflanzenvielfalt auf als konventionelle. Ein naturnaher Wald werden sie damit nicht.7
Was in Stichproben gefunden wurde
Pflanzenschutzmittel
Der BUND lässt seit 2014 in unregelmäßigen Abständen Nadelproben untersuchen.89 Die Ergebnisse werden viel zitiert und selten eingeordnet, deshalb hier beides:
| Jahr | Proben | mit Rückständen | Wirkstoffe |
|---|---|---|---|
| 2017 | 17 | 13 | 9 |
| 2020 | 23 | 14 | 9 |
| 2023 | 19 | 14 | 15 |
Welche Mittel zugelassen sind, ändert sich laufend. Verbindlich ist immer die aktuelle Datenbank des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit10, mit dem konkreten Mittel, der Kultur und den Auflagen. Eine Wirkstoffliste auf einer Ratgeberseite wäre in der nächsten Saison falsch.
Was drauf steht und was drin ist
Siegel und Herkunft
Zuerst der wichtigste Satz: Für Weihnachtsbäume gibt es keine gesetzliche Herkunftskennzeichnung. Ein Baum ist kein Lebensmittel. Eine Pflicht, Herkunftsland, Bundesland, Betrieb oder Fälldatum auszuweisen, existiert nicht. „Regional" oder „vom Förster" ist deshalb genau so viel wert wie der Nachweis, den der Verkäufer auf Nachfrage liefert.6111213
| Zeichen | Geprüft wird | Sagt nichts aus über |
|---|---|---|
| EU-Bio-Logo | Anbau nach EU-Öko-Recht, ohne synthetische Pestizide und Mineraldünger; mindestens jährliche Kontrolle | Herkunft, Transportweg, Frische, Baumart |
| Bioland, Naturland, Demeter | EU-Öko-Recht plus die jeweiligen Verbandsrichtlinien | regionale Herkunft, Fälldatum |
| FSC | verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung; seit 1. November 2024 mit ergänzenden Indikatoren für Weihnachtsbäume | Bio-Qualität, Pestizidfreiheit, Region |
| PEFC | nachhaltige Waldbewirtschaftung; eigener Standard für Weihnachtsbaumkulturen auf Waldflächen, jährlich kontrolliert | Bio-Qualität, Pestizidfreiheit, Region |
| Regionalzeichen | je nach Programm sehr unterschiedlich; kein bundesweit einheitliches Zeichen | ohne benanntes Programm: praktisch alles |
Der Unterschied ist dramatisch
Wie gefährlich ein trockener Baum ist
Zu Weihnachtsbränden kursieren viele Zahlen. Belastbar ist eine: Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft registrierte für 2024 in den Wochen um Weihnachten rund 6.000 zusätzliche Feuerschäden mit einem Schadenaufwand von etwa 31 Millionen Euro, im Schnitt 4.900 Euro je Fall.15
Das sind aber keine Weihnachtsbaumbrände. Die Zahl umfasst alle Feuerschäden der Advents- und Weihnachtszeit, fehlgeleitete Silvesterraketen eingeschlossen. Eine bundesweite Statistik allein für Weihnachtsbäume oder getrennt nach Adventskränzen gibt es nicht.
Was es gibt, ist ein Brandversuch, und der ist eindeutig. Beim US-Normeninstitut NIST wurde ein gut gewässerter Baum dreimal erfolglos angezündet. Der trockene Baum daneben zündete beim ersten Versuch, erreichte nach 31 Sekunden eine Wärmefreisetzung von 7.362 Kilowatt und verlor binnen 40 Sekunden den Großteil seiner Nadeln.16
Der Deutsche Feuerwehrverband rät aus demselben Grund, trockenes Tannengrün rechtzeitig zu entsorgen.17
Damit wird der Weihnachtsbaumständer zum sicherheitsrelevanten Teil: Nur einer mit Wassertank hält den Baum überhaupt feucht. Welche Bauart wie viel fasst und welcher Ständer welchen Stammdurchmesser nimmt, steht in der Übersicht.
Zu Lichterketten am Baum steht die Prüfzeichenfrage auf einer eigenen Seite: CE ist kein Prüfsiegel, sondern die Selbsterklärung des Herstellers. VDE und GS beruhen auf unabhängiger Prüfung.
Vorsicht mit dieser Zahl
Der oft zitierte Sporenanstieg auf 5.000 je Kubikmeter stammt aus einer einzigen Wohnung.
Weihnachtsbaum und Allergie
Das „Weihnachtsbaum-Syndrom" ist keine Diagnose, sondern eine Sammelbezeichnung für Beschwerden, die zeitlich mit dem Baum auftreten: Niesen, laufende Nase, gereizte Augen, Husten, Hautreaktionen. Als Ursachen kommen Schimmelsporen, anhaftende Pollen, Staub, Milben, Baumharz oder Duftstoffe infrage - abschließend geklärt ist es nicht.
Die Studienlage ist dünner, als die Verbreitung des Themas vermuten lässt. Eine kanadische Untersuchung von 1970 mit 1.657 Allergiepatienten und zehn Wohnungen fand bei 7 Prozent Beschwerden bei Koniferenkontakt, aber keine signifikante Veränderung der luftgetragenen Pilze durch den Baum.18 Eine US-Arbeit von 2011 fand an Schnittproben von 28 Bäumen 53 Schimmelpilzarten, von denen sie 70 Prozent als potenziell allergen einschätzte.19
Und die Umkehrung stimmt auch nicht: Künstliche Bäume sind nicht automatisch allergiefrei. Sie bringen kein frisches organisches Material ins Haus, sammeln aber bei der Lagerung Staub, Hausstaubmilben und gegebenenfalls Schimmel. Vor dem Aufstellen draußen auspacken und absaugen.20
Hund und Katze
Nadeln, Harz und das Wasser im Ständer
„Tannennadeln sind giftig für Katzen" liest man oft, und so undifferenziert stimmt es nicht. Die belegten Risiken sind vor allem mechanisch und im Magen-Darm-Bereich: Nadeln sind schwer verdaulich, reizen Maul und Magen und können in größerer Menge zu einem Darmverschluss beitragen. Ätherische Öle und Harz können zusätzlich Speicheln, Übelkeit oder Durchfall auslösen. Deutlich besser belegt ist die Giftigkeit konzentrierter Kiefern- und Pinienöle, besonders für Katzen - das ist etwas anderes als die kleine Menge an einer einzelnen Nadel.
Beim Standwasser ist die Antwort einfacher: nicht trinken lassen. Schon unbehandeltes, abgestandenes Wasser kann Bakterien oder Schimmel enthalten, dazu kommen Harz, Öle und Düngerreste aus der Rinde.
Die Angaben zu den Zusätzen stammen aus dem Versuch der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.21
Nach den Feiertagen
Wohin der Baum danach kommt
Erfasst werden die Bäume über kommunale Sonderabholungen, Sammelstellen, Wertstoffhöfe und örtliche Vereinsaktionen. Voraussetzung ist fast überall dasselbe: vollständig abschmücken. Lametta, Kugeln, Lichterketten und Kunstschnee müssen herunter, sonst ist der Baum für die Verwertung unbrauchbar.
Die tatsächlichen Wege sind Zerkleinerung und Kompostierung, Verarbeitung zu Hackschnitzeln für Biomasse- und Heizkraftwerke, und örtlich Sondernutzungen wie Faschinen im Uferbau22 oder Futter für Zoos und Wildgehege.
Zur Verwertung und zu den Faschinen im Küstenschutz: Angaben des Entsorgerverbands23 und eine Darstellung der Praxis an der Ostsee.22
Wann die Abholung in einem bestimmten Ort stattfindet und was dort in welche Tonne gehört, ist eine kommunale Frage. Wir bauen das nicht nach - sulixo.de ist genau dafür da und führt die Entsorgungswege nach Gegenstand und Landkreis.
Woher die Angaben stammen
Quellen
- Woher kommen unsere Weihnachtsbäume?. Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL)
- Weihnachtsbaumlexikon. Schutzgemeinschaft Deutscher Wald
- Comparative Life Cycle Assessment of artificial vs natural Christmas tree, 2009. ellipsos inc., Montreal
- Product Carbon Footprint nach PAS 2050, Zahlen zum Weihnachtsbaum. Carbon Trust
- Ökobilanz Weihnachtsbaum, laufend aktualisiertes Modell. ESU-services, Schweiz
- Ökologisch zertifizierte Weihnachtsbäume aus der Region bevorzugen. Umweltbundesamt
- Biodiversität von Weihnachtsbaumkulturen in Mitteleuropa, Abschlussbericht AZ 33141-01. Deutsche Bundesstiftung Umwelt, mit der Universität Osnabrück
- 3 von 4 Weihnachtsbäumen enthalten Pestizide, Test 2017. Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
- Weihnachtsbaum-Test 2023: 14 von 19 Bäumen mit Rückständen, 15 Wirkstoffe. BUND, Ergebnisdatei
- Online-Datenbank der zugelassenen Pflanzenschutzmittel. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
- Richtlinien und Kontrolle des Anbauverbands Bioland. Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
- FSC-zertifizierte Weihnachtsbäume, Indikatoren seit 1. November 2024. FSC Deutschland
- PEFC-zertifizierte Weihnachtsbaumkulturen. PEFC Deutschland
- Indikator: Nachhaltige Forstwirtschaft, Flächenanteile PEFC und FSC. Umweltbundesamt
- 6.000 zusätzliche Brände in der Adventszeit. Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft
- Dry Tree Fire Hazard, Brandversuch gewässerter gegen trockener Baum. National Institute of Standards and Technology
- Deutscher Feuerwehrverband rät, trockenes Tannengrün zu entsorgen. Deutscher Feuerwehrverband, 5. Januar 2024
- Christmas Tree Allergy: Mould and Pollen Studies, 1.657 Patienten und zehn Wohnungen. Waddington u. a., Canadian Medical Association Journal 1970
- Identification of mold on seasonal indoor coniferous trees, 28 Bäume. Kurlandsky, Annals of Allergy Asthma & Immunology 2011
- Allergien unterm Weihnachtsbaum. European Centre for Allergy Research Foundation
- So bleiben Weihnachtsbäume länger frisch. Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, 19. Dezember 2024
- Faschinen im Küstenschutz aus Weihnachtsbäumen. Ostsee.de
- Richtige Entsorgung um Weihnachten, mit der Schätzung zur energetischen Verwertung. Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft
Zuletzt geprüft am . Verantwortlich: Daniel Weihmann, Impressum.