Häufig gefragt
Seit wann gibt es gusseiserne Christbaumständer?
Der geschmückte Weihnachtsbaum verbreitet sich im deutschsprachigen Raum ab
dem frühen 19. Jahrhundert vom Bürgertum aus. Anfangs stellt man ihn in einen
Eimer mit Sand oder Steinen, oder man hängt ihn von der Decke. Ein Ständer wird
erst gebraucht, als der Baum größer wird und in die Stube wandert.
Gusseisen ist dafür der naheliegende Werkstoff der Zeit: Er ist ab der
Industrialisierung günstig in Serie zu gießen, schwer genug für die Standfestigkeit
und lässt sich in einem Arbeitsgang mit Verzierungen versehen. Die verzierten
Ständer mit Blattwerk und Jugendstilmustern, die man heute auf Flohmärkten findet,
stammen aus dieser Zeit.
Verdrängt wurde Gusseisen erst durch Kunststoff, und richtig verdrängt erst
durch die Einseiltechnik in den 1990er Jahren, weil die das eigentliche Problem
löste: dass ein Baum schief steht, wenn man die Schrauben einzeln anzieht.
Einen alten gusseisernen Christbaumständer kaufen
Antike Stücke gibt es auf Flohmärkten, in Haushaltsauflösungen und als
Erbstück aus dem Keller. Sie sind oft schöner als alles, was heute im Regal
steht, und viele halten noch. Drei Dinge entscheiden darüber, ob sich das
lohnt:
Risse. Gusseisen ist hart, aber spröde. Ein Sturz auf Fliesen kann
es zerbrechen, und geschweißt wird es nur mit Aufwand. Sieh dir den Fuß von
unten an, feine Risse laufen meist von einer Schraubendurchführung nach
außen.
Die Schrauben. Sie müssen sich von Hand drehen lassen, über die
ganze Länge. Festgerostete Gewinde bekommt man mit Kriechöl manchmal wieder
frei, ausgerissene nicht.
Die Baumgröße von damals. Alte Ständer sind für die Bäume ihrer
Zeit gemacht, und die waren kleiner. Wer heute einen Zwei-Meter-Baum mit
zwölf Zentimetern Stamm hineinstellen will, stößt schnell an die Grenze des
Kranzes. Miss den Innendurchmesser, bevor du kaufst.
Und rechne mit dem Nachteil, den alle Schraubenständer teilen: Der Baum
steht beim ersten Versuch selten gerade. Das ist genau das Problem, das die
Einseiltechnik hundert Jahre später gelöst hat. Wer einen antiken Ständer
aus Freude am Stück kauft, nimmt das in Kauf. Wer einfach einen Baum
aufstellen will, ist mit einem neuen besser bedient.